19.03.2012

Ohne Faxen und Heckmeck

PLIENINGEN. Die Blues Akademie aus Wannweil macht Stimmung in der Zehntscheuer. von Martin Bernklau

Blues Akademie Plieningen 16.03.12
Eine Liebhaber-Band, die das Blues-Herz höher schlagen lässt.
Foto: Bernklau

Beim Bürgerverein in der Zehntscheuer hat der Blues eine große Anhängerschaft. Jedenfalls war es mehr als voll unterm Dach, und zwar mit Menschen aus allen Generationen, als am Freitagabend die Blues Akademie aufgetreten ist. Das ist eine Formation aus dem Raum Reutlingen-Tübingen, der seit gut 15 Jahren der Ruf einer exzellenten Liebhaber-Band vorausgeht, die klassische Vorlagen nicht etwa möglichst originalgetreu covert, sondern etwas ganz Eigenes daraus macht, was das Herz des Blues ohne Faxen und Heckmeck höher schlagen lässt.
Dabei ist es gar nicht mal klassischer, karger Blues, sondern eine Melange, bei denen die Musiker mit viel rockigem Beat, von Funk und Soul sowie einem starken Anflug von Jazz angereichert werden. Das hat schon auch mit der Besetzung zu tun. Über dem groovigen E-Bass, den seit sechs Jahren Manfred Schlecht - ausgesprochen gut und zuverlässig - zupft, bilden der selbst in scharfen Soli ganz schnörkellose Gitarrist Carsten Keller und der unbeirrbar präzise Marek Niezielski am Schlagzeug die Basis für den Sound und den Rhythmus.
Vielleicht macht das Trio von Frontleuten auch viel aus beim Besonderen der Blues Akademie. Band-Gründer Eugen Krauss, der zu seinem Gesang auch manchmal mit Percussion antreibt, hat nämlich zwei Frauen neben sich: seit 2 Jahren die Leadsängerin Micha Schoettle, deren kehlig-soulige Stimme vielleicht ein wenig zu dumpf ausgesteuert war, und noch ein bisschen länger die Saxofonistin Gine Gelsdorf. Sie ist nicht nur Hingucker und oft Ansager, sie spielt auch auf Alt und Tenor mit so viel Drive und Musikalität, dass der viele Szenenapplaus beileibe nicht nur mit der Erscheinung zu tun hat.
So ging es gleich zügig los mit "Lily Was Here", einem Film-Hit von David Stewart von den Eurythmics, den er 1989 mit der holländischen Saxofonistin Candy Dulfer eingespielt hat. Hatten die Drifters "Some Kind Of Wonderful" 1961 noch ein wenig schnulzig vorgestellt, so war in der Stimme von Micha Schoettle kein bisschen Schmalz mehr zu finden. Das ging aber nicht auf Kosten des Ausdrucks. Ziemlich rockig, in hohem Tempo, aber auch mit einem Touch von Dance-Jazz kam dann "Turn on, Tune in, Cop out" daher, der Hit von Freak Power aus dem Jahr 1993.
"Jetzt wird geheiratet", sagte Gine Gelsdorf an. Zur Feststimmung in der Zehntscheuer trug aber nicht nur "Marry You" bei, sondern auch "Right Next Door", wozu die Band auch einige Fans und Nachbarn des Wannweiler Übungsraums begrüßte. Und auch einen Happy-Birthday-Blues gab es für zwei Geburtstagskinder, die sich aber nicht outen wollten. Gut drei stunden heizte die Band ein, immer wieder von Beifall für hübsche Soli unterbrochen. Ohne Zugaben ging es nicht. T-Bone Walkers "Stormy Monday" war dabei, auch so ein klassicher Blues-Standard mit Bezug zum Film. ©